Es ist der erste Schritt, der zählt

Attila Hildmann fährt einen Porsche mit Lederbezügen. Ein Fakt, der dank Facebook, Twitter und einer breiten Berichterstattung inzwischen die Runde gemacht und die Frage aufgeworfen hat: Gibt es eine neue Generation von Veganern, denen die Tiere egal sind? Treten die ethischen Aspekte des Veganismus zugunsten von Marktwirtschaft, Schönheit und Gesundheit in den Hintergrund? Und wenn ja: Ist das verwerflich?

Der Blogbeitrag von Robert D. Meyer (hier zusammengefasst) ist ein schönes Beispiel: Er ist der Meinung, dass „die ganzheitliche Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen meiner Umwelt (…) im Streit um den geschmackvolleren Sojajogurt leider oft auf der Strecke bleibt“. Ich kann seine Argumentation gut nachvollziehen, wundere ich mich doch des Öfteren über Veganer, die zwar penibel darauf achten, keine tierischen Produkte zu essen, dafür aber bedenkenlos bei Deichmann, Primark und H&M einkaufen und dabei völlig vergessen, dass auch Menschen unter Produktionsbedingungen leiden können.

Doch sollte man sie deshalb verurteilen? Nur weil man Veganer ist, ist man doch nicht perfekt und ohne Schwächen. Man möchte vielleicht nicht gleich die ganze Welt retten, sondern nur einen ersten Schritt machen. Einen Anfang setzen, bei den Tieren. Für mich hat der bewusste Konsum genau dort angefangen. Und inzwischen mache ich mir auch Gedanken über die Produktion von Kleidung, über die Investitionen meiner Bank, über den Wasserverbrauch und den Einsatz von Düngemitteln. Und ich weiß, dass ich noch vieles verbessern kann und muss. Aber all dies nur, weil ich nach und nach mit diesen Themen konfrontiert wurde, als ich mich mit dem Veganismus auseinandergesetzt habe.

Mit Blick auf dieses Wissen kann ich nicht nachvollziehen, wie sich jemand wie Hildmann so intensiv mit dem Veganismus auseinandersetzen und trotzdem noch Leder kaufen und zur Schau stellen kann – gerade mit Blick auf seine Vorbildfunktion. Aber immerhin hat er Menschen zum Veganismus gebracht, die über den ethischen Weg vielleicht nie einen Zugang dazu gefunden hätten. Und das hat er vielleicht auch nur geschafft, weil er im Rampenlicht stehen wollte – nicht, weil er Tiere retten wollte.

Der Anfang ist gemacht. Statt über die Motive zu urteilen, sollten wir lieber mit allen Veganern offen und tolerant in Dialog treten. Und gemeinsam über alle Aspekte des Veganismus sprechen: Über Gesundheit, Ethik und über Umweltschutz. Davon werden beide Seiten profitieren: Ich kenne genügend ethisch motivierte Veganer, die sich nur von Fertig- und Ersatzprodukten ernähren und denen es gut tun würde, mehr über Smoothies, Rohkost und pflanzliche Vollwertkost zu erfahren. Und umgekehrt lernen dann vielleicht auch die gesundheitlich movitivierten Veganer, dass Veganismus nicht bei der Ernährung aufhört. Und wenn nicht: Den Tieren hilft jeder Veganer. Egal, warum man es geworden ist.

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