Wie Fleisch die Welt verdursten lässt

Der Verbrauch des wichtigsten Lebensmittels weltweit – des Süßwassers – hat sich im vergangenen Jahrhundert verachtfacht. Und er wächst weiter mit gegenwärtig 10 Prozent in jedem Jahrzehnt. Die Folgen dieser Entwicklung: Ein Drittel der Menschheit hat nicht genug Wasser und 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Seen, Flüsse, Meere werden mit Nährstoffen und Schadstoffen vollgepumpt.

Gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel in vielen Regionen der Welt dramatisch. Selbst große Flüsse wie der Colorado in Nordamerika oder der Gelbe Fluss in China erreichen wegen Übernutzung ihres Wassers über Monate hinweg nicht mehr das Meer.

Schon denken Wissenschaftler darüber nach, eine Grenze für die globale Nutzung von Wasser zu verlangen, um den Kollaps der Wasserhaushalte zu vermeiden. Die Weltbevölkerung wächst, und damit auch der Wasserverbrauch. Hauptnutzer, und damit Hauptverursacher der globalen Wasserkrise, ist die Landwirtschaft. Sie verbraucht allein 70 Prozent des weltweit verfügbaren Süßwassers, während die Haushalte (10 Prozent) und die Industrie (20 Prozent) mit deutlich weniger auskommen müssen. Vom immensen Wasserver- brauch der Landwirtschaft fließt wiederum ein Drittel in die Nutztierhaltung. Das liegt keinesfalls an dem großen Durst von Kühen, Schweinen oder Hühnern, sondern am indirekten Verbrauch.

So verstecken sich, wie eine Untersuchung des WWF ermittelt, hinter einem Kilogramm Rindfleisch sage und schreibe 15.500 Liter Wasser. Ein kleiner Swimmingpool voll Wasser für vier saftige Steaks? Die Rechnung ist verblüffend, aber nachvollziehbar: Denn bis das Rind geschlachtet wird, hat es, so die Studie, im Schnitt 1.300 Kilo Getreide und 7.200 Kilo Raufutter gefressen. Dieses Futter braucht viel Wasser, um zu wachsen. Und dazu zählen noch 24 Kubikmeter Trinkwasser für die Tiere und 7 Kubikmeter für die Stallreinigung.

Unter dem Strich stecken also in jedem Kilo Rindfleisch 6,5 Kilo Getreide und 36 Kilo Raufutter oder durchgerechnet 15.500 Liter Wasser. Nicht weniger eindrucksvoll ist die Statistik der FAO. Danach ist für die Erzeugung von 1.000 Nahrungskalorien aus Getreide rund ein halber Kubikmeter Wasser nötig. Für 1.000 Kalorien aus Fleisch sind es dagegen vier Kubikmeter und für 1.000 Kalorien aus Milchprodukten sogar sechs. Dies sind Durchschnittszahlen, wobei auch hier gilt: Rind ist nicht gleich Rind. Ausgerechnet sein Grundwasserverbrauch in Intensivhaltung ist ungleich höher als in extensiver, viel Regenwasser nutzender Weidehaltung. Doch rund um die Erde werden von Jahr zu Jahr mehr Nutztiere in Ställen gehalten als auf Weideland.

Sollte der Fleischkonsum weiter so rasant wachsen, dann würde sich, wie das Worldwatch Institute feststellt, der Wasserbedarf für Viehfutter bis zur Jahrhundertmitte glatt verdoppeln.

Wasserverbrauch_Fleischatlas_2013_Seite28© Fleischatlas 2013

Schon allein das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung erfordert aber in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einen deutlich sparsameren Verbrauch, weil das Wasser auf mehr Köpfe verteilt werden muss. Mit der Erwärmung der Erde durch die Klimaveränderung wird die Verfügbar- keit unseres wichtigsten Lebensmittels ohnehin immer kritischer, und es wird noch fragwürdiger, knappe Ressourcen in die Viehwirtschaft zu pumpen. Schon jetzt leben rund zweieinhalb Milliar- den Menschen in Gebieten mit „Wasserstress“, bis zum Jahr 2025 werden es über die Hälfte aller Erdbewohner sein. Alle Projektionen sagen voraus, dass sich die Konflikte ums Wasser in den nächsten Jahren zuspitzen werden.

Neben dem hohen Verbrauch ist die Verschmutzung des Wassers mit Nitraten und Phosphor aus Gülle und Düngemitteln sowie mit Antibiotika aus dem hohen Arzneimittelverbrauch der Massentierhaltung ein zweites drängendes Problem der Viehwirtschaft. In Deutschland hat sich die Belastung mit Schadstoffen aus der Landwirtschaft im Vergleich zu den 1980er Jahren zwar verringert, sie ist aber immer noch viel zu hoch. 74 Prozent des Trinkwasseraufkommens in Deutschland schöpfen wir aus dem Grundwasser. Repräsentative Grundwasserproben zeigen, dass die Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser von 50 Milligramm je Liter besonders oft in Regionen mit hoher Viehdichte überschritten werden. 36 Prozent der Messstellen bundesweit wiesen deutlich bis stark erhöhte Nitratgehalte auf. Die Düngeverordnung soll die Überdüngung drosseln, wurde jedoch in den letzten Jahren verwässert. Dies ermöglicht ein „legales“ Wachstum der Viehhaltung, auch wenn bereits stark erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser gemessen werden.

Der Beitrag entstammt dem (überaus lesenswerten) „Fleischatlas 2013“, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und Le Monde diplomatique. Der Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ (CC-BY-SA). Mit Verweis auf den Urheber und bei Weitergabe unter gleichen Bedingungen darf der Text geteilt und verändert werden.

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