Du lebst vegan? Geht es dir gut?

Man sorgt sich um mich. Wildfremde Menschen fürchten, dass mir Mangelerscheinungen drohen. Weil ich Veganerin bin. Vielleicht sollten sie lieber die Leute an der Currywurstbude bekehren. Die sehen wirklich etwas käsig aus. Und wenn ich mal krank bin, wird es gleich auf die Ernährung geschoben. Würde ich mal ein Schnitzel essen, wär‘ die Grippe gleich überstanden.

Mein Arzt kann darüber nur lachen. Er ist über meinen Cholesterinspiegel (104 mg/dL*) ganz aus den Häuschen: „Wenn alle einen solchen Wert hätten, dann gäbe es keine Herzinfarkte mehr! Darüber müsste man mal eine wissenschaftliche Studie machen.“

Was er nicht weiß – und damit ist er nicht allein in seiner Zunft: Diese Studien gibt es bereits. Menschen, die tierische Produkte konsumieren, tragen ein 40 Prozent höheres Risiko, an Krebs zu erkranken sowie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Fettleibigkeit, Osteoporose, Arthritis, Diabetes und Lebensmittelvergiftungen (mehr dazu in der „China Study“ von T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell).

Mir geht es aber nicht in erster Linie um meine Gesundheit. Mir geht es um die Tiere. Schon eine kurze Youtube-Recherche zeigt, wie sehr sie für unser kurzes Vergnügen leiden müssen. In den Fabriken werden Tiere wie Dinge behandelt. Ihr kurzes Leben lang werden sie gequält und auf Leistung getrimmt. Oft überleben sie nur, weil sie mit Antibiotika vollgestopft werden.

Keine einzige Pute, die Sie im Supermarkt oder im Bioladen kaufen können, konnte normal gehen, schon gar nicht springen oder fliegen. Säue werden ständig schwanger oder säugend gehalten und in enge Metallställe gesperrt, wo sie sich nicht einmal umzudrehen können. Die Kälber werden gewaltsam ihrer Mutter entrissen, um ihre Milch an die Menschen zu verfüttern.

Und nicht nur das: Die tierische Landwirtschaft ist eine der größten Wasserverbraucher und für mehr Emissionen verantwortlich als der globale Verkehr. Sie ist die Ursache Nummer eins für den Klimawandel. Pestizide und Dünger verschmutzen Grundwasser, Böden und die Luft.

Und warum müssen mehr als 925 Millionen Menschen hungern? Ungefähr 70% des weltweiten Getreideanbaus geht in die Fütterung der Tiere in der Landwirtschaft. Würde man statt der Tiere direkt die Pflanzen verzehren, gäbe es genug Essen, um die gesamte Menschheit zu ernähren.

Vegan bedeutet Verzicht, glauben viele. Sicher, man streicht einige Lebensmittel aus seinem Repertoire. Doch ich habe das als Bereicherung empfunden. Man muss das Kochen neu lernen. Hat man die Basics erst einmal verinnerlicht, so entdeckt man, wie reichhaltig und vielfältig Gemüse sein kann. Gerade die asiatische Küche bietet eine solche Fülle, dass ich eine Riesenfreude am Kochen entwickelt habe.

Ich beschäftige mich dank der veganen Lebensweise viel bewusster mit meiner Ernährung. Zum Frühstück trinke ich einen grünen Smoothie, ich esse viel Rohkost, kaufe nur noch im Bioladen und probiere ständig neue Rezepte aus. Zum Leidwesen meines Mannes, der inzwischen auch vegan lebt, aber manchmal lieber Spaghetti Napoli statt Koriander-Walnuss-Frikadellen an Rotkohlsalat auf dem Teller hätte.

Alles, was man aus der traditionellen Kost kennt, gibt es auch in veganer Variante: Gummibärchen, Würstchen, Schokolade, Soja-Steaks, Hackbällchen, Chickinnuggets, Nougatcreme, Eis, Tütensuppen, Croissants, Kekse und Käse. Alles Käse. Ich will mich nicht mit Fertigkost und Chemikalien vollstopfen, ich möchte gesund leben. Es ist schön, auf diese Produkte zurückgreifen zu können, wenn es einen überkommt (ein Wirsingeintopf ohne vegane Wurst ist einfach nicht das wahre).

Doch statt zu versuchen, ein Schnitzel möglichst detailgetreu nachzuahmen, zeige ich gern, dass pflanzliche Kost weit darüber hinausgehen kann. Kein Burger kann mit einem gut gemachten Linsenbratling mithalten. Und kein Hähnchen mit frittiertem Tofu.

Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, gehen wir gerne zum Inder, Thailänder oder Libanesen, dort gibt es eine breite vegane Auswahl. Doch auch beim Italienier um die Ecke bin ich gut versorgt, dann gibt es eben doch mal Spaghetti Napoli.

Bei mir in der Großstadt gibt es eine breite vegane Szene. Viele Imbisse bieten vegane Snacks an, regelmäßig finden zwei Brunche statt, wir haben ein eigenes veganes Café, einen veganen Supermarkt und gut ausgestattete Bioläden und Reformhäuser. Wir treffen uns, wir tauschen Rezepte aus, wir kochen zusammen.
Mir fehlt es an nichts.

Sorgt euch also nicht um mich. Mir geht es gut.

* Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei etwa 236mg/dl. Schulmediziner halten einen Cholesterinspiegel von unter 200 mg/dL für wünschenswert, ein sicherer Cholesterinspiegel liegt laut US-Studien bei unter 150 mg/dL (s. „China Study“ von T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell).

Gefällt euch mein Blog? Dann folgt mir über FacebookTwitterBloglovin‘ oder per E-Mail (einfach rechts in der Spalte eingeben). Ich freu mich auf einen regen Austausch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s